Auweg 1, 6065 Thaur

Der Jagglerhof

Familiengeschichte seit 1795 - Der Jagglerhof

Das Jahr 1795 – Erwerb des Hofes durch Jakob Giner

Michael Felder, Bauersmann in Thaur verkaufte im Jahr 1795 nach über 40 Jahren Bauernschaft Haus, Hofstatt, Stall, Garten und jenen Anger samt Wasserrecht, durch den der Dorfbach fließt, an Jakob Giner. Der am untersten Dorfrand gelegene Hof grenzte damals an die Grundstücke von Franz und Josef Jaufenthaler, Johann Laisierter und an die allgemeine Dorfgasse.

Im Kaufpreis von 1357 Gulden waren auch mehrere Holzteile und Mobilien eingeschlossen. Der „Jagger“ stand im Obereigentum des Hochstiftes Augsburg, das seine Urbauverwaltung in Bozen und einen Ableger am St. Ulrich und Afra-Mairhof in Thaur hatte.

Jährlich am St. Galolustag (16. Oktober) musste der Stiftzins von 36 Kronen, ein Hilfszins von 6 Kronen und für das Haus ein Afterzins von 6 Kronen an den Mainhof gereicht werden.

Gegen eine Miete von 8 Gulden durften Michael Felder und seine Ehefrau noch ein Jahr auf dem Hof wohnen, da ihm Jakob Giner noch 500 Gulden schuldete.

Namensgebung und Übernahme im Jahr 1834

Jakob Giner, der dem Jagglhof den Namen gab, hatte 39 Jahre gewirtschaftet ehe er am 25. Februar 1834 hochbetagt im Alter von 88 Jahren starb. Er hinterließ die Witwe Maria geb. Sailer mit den Kindern Romed, Maria, Josef, Elisabeth, Gertraud und Johann. Letzterer war erst 21 Jahre alt und musste daher als großjährig erklärt werden. Die Kinder waren alle unverheiratet. Drei von ihnen lebten noch am Hof mit der damaligen Hausnummer 137 und drei weitere Kinder standen in auswärtigen Diensten.

Aus der Abhandlung 61 geht hervor, dass der Erbfallsser bereits 1784 ein Kammerland (Kat. Nr. 1288) mit zahlreichen Grundstücken erworben hatte. Weitere Grundstücke wie Acker zu Hurlach, ein Stück in der Guggenbreite und im Krautfeld kommen 1824 dazu. So erhöhte sich der Wert der Realitäten auf 3347 Gulden.

Allerdings war der Hof durch Schulden stark belastet, sodass der Reinnachlass nur 884 Gulden betrug. Da Jakob Giner kein Testament hinterlassen hat, übernahm im Jahr 1834 der älteste Sohn Romed (I.) das gesamte väterliche Vermögen zu seinem Eigentum. Er verpflichtete sich, die Schulden von über 3000 Gulden samt Zinsen zu übernehmen. Seiner Mutter überließ er das eingebrachte Heiratsgut von 350 Gulden und den Höreracker zum lebenslangen Genuss.

Seine fünf weichenden Geschwister musste er mit je 50 Gulden an Vater- und Muttererbe abfertigen oder mit 4 % verzinsen. Zur Sicherstellung der Erbansprüche verpfändete er eine Güter. Diese Erbabhandlung unterfertigten alle Geschwister mit eigener Unterschrift. Nur die Altbäuerin machte drei Kreuzchen da sie nicht schreiben konnte.

Übernahme durch Romed Giner 1879

Romed (I.)Giner war über 45 Jahre Bauer beim „Jaggler“. Er starb am 19. November 1879 im Alter von 82 Jahren in Thaur, ohne ein Testament hinterlassen zu haben. Während seiner langen Bauernschaft hatte sich am Besitzstand nichts geändert. Nur 1838 war durch Schenkung ein Grundstück mit 744 Quadratklaftern (entspricht ca. 3.390 Quadratmetern) hinzugekommen. Die Verschuldung konnte der Verstorbene auf ca. 50% reduzieren. Bei der Erbabhandlung übernahm der einzige Sohn Romed (II.) jun. Haus und Hof. Dafür musste er seine einzige Schwester Maria mit 1000 Gulden abfertigen. Seine Mutter und Witwe Maria geb.Pfanzelter war „lebenslang, sowohl in gesunden und kranken Tagen ordentlich und klaglos in der Behausung bei ihm zu behalten und zu verpflegen und ihr seinerzeit ein ordentliches Begräbnis zu besorgen“. Sollte die Altbäuerin nicht mehr am Hof leben wollen, so musste er ihr den Guggenbreitenacker zum lebenslang ungehinderten Genuss einräumen. Überdies stand ihr vom Nachlass der gesetzliche Fruchtgenuss zu. Zur Sicherstellung wurde alles verpfändet.

1926 – Romed (III.) Giner übernimmt

Romed (II.) Giner wirtschaftete von 1879 bis 1926. Als er nach über 47 Jahren Bauernschaft am 12. April 1926 im Alter von 69 Jahren starb, erbte sein gleichnamiger Sohn Romed (III.), der von 1891 bis 1981 lebte.

1967 – Übergabe an Romed (IV.) Giner

1950 wurde die Bezeichnung „Junior“ gelöscht. Romed (III.) übergab am 30 November 1967 nach 31 Jahren Bauernschaft den Familienbesitz an seinen Sohn Romed (IV.), der damals 43 Jahre alt war. Im Alter von über 90 Jahren starb der Altbauer 1981.

Seit 1984 – Erbhofbauer Romed (V.) Giner

Romed (IV.) Giner, der Vater des nunmehrigen Erbhofbauern, übergab den „Jaggler“ 1984 an seinen Sohn Romed (V.). Der Jungbauer heiratete 1979 Maria Kircher. Im selben Jahr wurde wieder ein Romed (VI.) geboren. Er übernimmt den elterlichen „Jagglerhof“ im Jahr 2020.

Im September 2011 wurde wieder ein Romed (VII.) Giner geboren.

Somit sitzt die Familie Giner seit sieben Generationen am „Jagglerhof“. Durchschnittlich erfolgte seit 1795 nur alle 38 Jahre ein Generationswechsel.